So läuft eine natürliche Geburt wirklich ab – Mein Geburtsbericht

Die Geburt, der große Tag: Mal fürchtet man sich davor, mal kann man es kaum abwarten. Sein Baby endlich in den Armen halten, man wünscht sich doch nichts mehr! Aber eine Geburt durchstehen? Nein danke!

Leider kommen wir da nicht drum herum: Das Baby muss raus, egal wie. Sei es durch eine natürliche Geburt oder einen Kaiserschnitt, keines davon ist ein Zuckerschlecken. Was aber helfen kann, ist zu wissen, wie eine Geburt ablaufen könnte und was einen ungefähr erwartet.

Erinnerungskarte aus dem Krankenhaus mit den ersten Fußabdrücken des Babys nach der Geburt

In diesem Beitrag teile ich meine ganz persönliche Erfahrung mit dir und zeige dir ungefiltert, wie eine natürliche Geburt bei mir ablief.

Die ersten Wehen: Geht es jetzt wirklich los?

Meine Geburt ging offiziell zwei Tage vor meinem ET (also bei 39+5) los. Die allererste Wehe hatte ich allerdings schon einen Tag vorher um 14 Uhr. Ich hatte die Wochen davor immer wieder Übungswehen und machte mir Sorgen, dass ich es gar nicht merken würde, wenn es ernst wird. Aber glaub mir: Man merkt es. Bis 17 Uhr hatte ich immer wieder vereinzelt Wehen, die alle 10 bis 20 Minuten kamen.

Kleiner Tipp: Wenn du dir in der Zeit nicht sicher bist, ob das schon echte Geburtswehen sind, mach den Duschtest. Wenn die Wehen nach dem warmen Duschen und Bewegen immer noch da und sogar stärker sind, weißt du mit Sicherheit Bescheid.

Ich würde auch empfehlen, dir direkt eine Wehen-Tracking-App zu installieren oder die Abstände aufzuschreiben. So hast du einen viel besseren Überblick und kannst später nachschauen, wann das Ganze überhaupt gestartet ist.

Die Eröffnungsphase ist die Zeit, in der sich der Muttermund auf 10 cm öffnet. Ich weiß, das kann sich alles unglaublich ziehen. Man wird ungeduldig und weiß nicht, wie lange man unter den Schmerzen leiden muss. Bei manchen dauert es Stunden, bei anderen mehrere Tage. Der erste Abschnitt, die sogenannte Latenzphase, dauert meistens am längsten. Kleiner Spoiler: Bei mir dauerte sie bis um 10 Uhr am nächsten Tag – also ganze 27,5 Stunden!

Aber spulen wir noch mal ein paar Schritte zurück.

Ab ins Krankenhaus (oder doch nicht?)

Ab 17 Uhr wurden die Wehen regelmäßiger, etwa alle 8 bis 10 Minuten. Mir wurde im Krankenhaus gesagt, ich solle erst kommen, wenn sie alle 5 Minuten auftreten, deshalb wusste ich, dass ich noch etwas Zeit habe. Außer die Kliniktasche fertig zu packen, bin ich eigentlich nur im Bett gelegen und habe ganz entspannt eine Serie geschaut.

Die Schmerzen kann man mit starken Periodenschmerzen vergleichen, die bei jeder Bewegung intensiver wurden. Ganz ehrlich: Ich habe deshalb auch gar nicht erst versucht, Treppen zu steigen oder spazieren zu gehen, um die Wehen noch mehr anzuregen. Ich wollte meine Energie sparen, weil ich wusste, dass ich sie später noch brauchen werde.

Das Ganze ging so weiter bis um 2 Uhr nachts. An Schlaf war nicht zu denken, die Wehen wurden stärker und ich spürte immer mehr ein starkes Ziehen nach unten. Ab 2 Uhr ging der Spaß dann richtig los: Die Wehen kamen alle 5 Minuten und eine halbe Stunde später ist auch der Schleimpfropf abgegangen. Er sieht tatsächlich genauso aus, wie der Name es beschreibt – eine schleimig-blutige Konsistenz.

Tatsächlich machten wir uns aber erst zwei Stunden später auf den Weg ins Krankenhaus. Das würde ich im Nachhinein nicht empfehlen, da die Autofahrt bei jeder Bewegung und Bodenwelle echt schmerzhaft war.

Das ewige Warten der Latenzphase

Bei der Ankunft wurde bis 6 Uhr direkt ein CTG geschrieben und mein Muttermund untersucht. Ich war tatsächlich schon bei 3 cm. Deshalb wurde ich auch gleich aufgenommen, musste aber zuerst noch auf dem normalen Zimmer bleiben, da es noch dauern könnte.

Die Stunden vergingen wie eine Ewigkeit. Gegen 9 Uhr wurden die Wehen wieder unregelmäßiger, dafür aber intensiver, begleitet von einem starken Druckgefühl nach unten. Ich dachte immer, dass ich bei der Geburt niemals schreien würde, weil mir das viel zu unangenehm war. Tatsächlich fing ich aber genau da schon an, laut zu werden. Und weißt du was? In dem Moment ist dir das völlig egal! Also lass es raus, wenn es dir hilft.

Um 10 Uhr konnte ich es nicht mehr aushalten und bin wieder in den Kreißsaal gegangen, mit der festen Erwartung, schon sehr weit zu sein. Tatsächlich war der Muttermund aber erst bei 4 cm. Es hatte sich in all der Zeit also nur ein einziger Zentimeter getan. Obwohl damit die aktive Phase startete, war es für den Kreißsaal laut meiner Hebamme immer noch zu früh. Ich wurde wieder aufs Zimmer geschickt und bekam einen Gymnastikball, um die Zeit mit Bewegung zu vertreiben und alles weiter anzuregen.

In dieser Zeit gibt es eigentlich nicht viel zu berichten. Es heißt nur: Warten und durchstehen. Obwohl die Schmerzen stärker wurden, hatte ich immer noch das Gefühl, alles ohne PDA zu schaffen, da einem die Pausen zwischen den Wehen wahnsinnig viel Kraft geben.

Illustration: Schwangere Frau auf einem Gymnastikball zur Wehenförderung in der Eröffnungsphase

Von 6 auf 9 Zentimeter: Plötzlich ging alles ganz schnell

Gegen 14:30 Uhr bin ich ein drittes Mal in den Kreißsaal gegangen. Durch die viele Bewegung hatte sich endlich etwas getan. Ich war bei 6 cm! Spätestens ab da wusste ich: Jetzt geht es richtig los.

Diesmal durfte ich im Kreißsaal bleiben. Nachdem ich das halbe Krankenhaus zusammen gebrüllt hatte, bot mir die Hebamme eine Infusion an. Ich war mir unsicher, aber sie versicherte mir, dass es helfen würde. Zuerst bekam ich Buscopan, was absolut nichts brachte. Dann wechselte sie auf ein stärkeres Schmerzmittel (Nalbuphin). Und tatsächlich: Eine halbe Stunde später wirkte es richtig gut. So gut, dass ich zwischen den Wehen immer wieder eingeschlafen bin und im Halbschlaf nur noch leicht mitbekommen habe, wie im Raum alles für die Ankunft meines Babys vorbereitet wurde.

Genau eine Stunde später wachte ich plötzlich mit den Schmerzen einer heftigen Wehe auf und schrie auf. Die Hebamme kam ins Zimmer und grinste nur: „Ah, das war jetzt wieder etwas lauter.“

Als sie mich untersuchte, teilte sie mir hochzufrieden mit, dass ich schon bei 9 cm war. Ich glaubte es selbst kaum, in nur einer Stunde war ich von 6 auf 9 cm gekommen!

Vorbereitung im Kreißsaal: Wickeltisch und Wärmestation für das Neugeborene bei der Geburt

Die Übergangsphase & die geplatzte Fruchtblase

Somit startete die Übergangsphase und ich musste nur noch den allerletzten Zentimeter überstehen, den ich wieder bei vollem Bewusstsein spürte. In diesem Moment dachte ich mir nur: Warum habe ich nicht einfach die PDA genommen?! Aber dafür war es nun zu spät.

Eine halbe Stunde später hat die Hebamme meine Fruchtblase eröffnet. Ich habe es ehrlich gesagt nur gemerkt, weil ich plötzlich etwas Warmes und Nasses gespürt habe. Die meisten (mich eingeschlossen) glauben ja, dass es wie im Film ist: Man steht in der Öffentlichkeit und plötzlich platzt die Blase schwallartig. In der Realität ist das viel seltener der Fall. Manchmal tropft es nur leicht, oder (wie bei mir) sie platzt von selbst gar nicht und die Hebamme muss nachhelfen.

Als ich kurz darauf die vollen 10 cm erreichte, kam sofort die allererste Presswehe. Ich hatte im Vorfeld immer Sorge, dass ich diesen Moment verpassen oder nicht merken würde. Oh Gott, wie ich ihn gemerkt habe! Es fühlt sich original so an, als ob man ganz, ganz dringend aufs Klo muss, und der Körper fängt völlig automatisch an, stark zu pressen. Mein Mann rief die Hebamme schnell ins Zimmer. Sie kam ganz entspannt rein und fragte mich nur, ob ich bereit sei.

Er ist da! (Und was dich danach noch erwartet)

Vor der Press- bzw. Austreibungsphase hatte ich immer am meisten Angst. Spoiler: Die Eröffnungsphase war deutlich schmerzhafter. Aber natürlich war auch das hier kein Spaziergang.

Ich blieb in der Rückenlage und bin lustigerweise zwischen den Presswehen immer wieder eingeschlafen. Von der Infusion fühlte ich mich noch so schläfrig, dass ich mehrere Wehen brauchte und insgesamt ganze 1,5 Stunden am Pressen war. Das Köpfchen war natürlich der schwierigste Teil. Aber als das draußen war, musste ich nur noch einmal fest durchatmen und schon folgte der restliche Körper.

Um 19:16 Uhr ist mein Sohn auf die Welt gekommen. Das Gefühl, ihn endlich in den Armen zu halten, kann man mit keinen Worten der Welt beschreiben.

Man hört oft, dass in dieser Sekunde alle Schmerzen sofort vergessen sind. Das kann ich nicht bejahen, an diese Schmerzen erinnert man sich noch lange! Was allerdings stimmt: Die Glücksgefühle in diesem Moment sind so unfassbar riesig, dass sie einfach alles andere überstrahlen.

Tatsächlich war es danach aber noch nicht vorbei. Die Plazenta muss auch noch raus. Die kam bei mir glücklicherweise bei der nächsten Presswehe wie von alleine und vollständig hinterher. Ich hatte zwar keinen vollständigen Dammriss, dafür aber ein paar kleine Risse ersten Grades, die natürlich genäht werden mussten. Das Nähen dauerte eine ganze Stunde und war wirklich unangenehm. In der Zeit hielt mein Mann unser Baby im Arm. Ich habe die ganze Zeit nur zu den beiden geschaut und darauf gewartet, dass es endlich vorbei ist.

Gegen 20:25 Uhr waren sie fertig. Mithilfe der Hebamme habe ich den Kleinen zum ersten Mal an meine Brust gelegt und wir konnten endlich unsere allerersten Momente gemeinsam als Familie genießen.

Erste Momente nach der Geburt: Die Hand des Neugeborenen gehalten von Mama und Papa

Mein Fazit: Du schaffst das auch!

Insgesamt muss ich sagen, dass es ein wirklich positiver Geburtsbericht ist. Ich weiß, wie riesig die Angst vor der Geburt sein kann – glaub mir, da stand ich auch mal. Und ich werde hier absolut nichts schönreden: Es ist wahrscheinlich das Schmerzhafteste, was man je erleben wird.

Aber ich bin eine extrem schmerzempfindliche Person, und auch ich habe es geschafft! Und obwohl ich direkt nach der Geburt zur Hebamme meinte, dass ich das nie wieder durchmachen werde, glaube ich mittlerweile, dass ich es erneut schaffen könnte. (Das nächste Mal allerdings mit PDA…das tue ich mir nicht noch mal an!)

Wenn du diesen Text gerade liest und die Geburt noch vor dir hast: Vertrau auf dich und deinen Körper. Es ist verrückt, was wir Frauen leisten können. Lass dich nicht verrückt machen, atme tief durch und denk immer daran: Am Ende hältst du das allergrößte Geschenk der Welt in den Armen. Du schaffst das!

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