Die ungeschönte Wahrheit über das Stillen und was mir geholfen hat

„Stillen ist das Natürlichste der Welt!“

Wenn du diesen Satz schon unzählige Male gehört hast, dir zu 100 % vorgenommen hast, dein Baby vollzustillen und jetzt verzweifelt merkst, dass die Realität ganz anders aussieht, als du es dir immer vorgestellt hast: Dann bist du hier genau richtig.

Du legst dein Baby an. Einmal, zweimal, und spätestens beim dritten Mal denkst du dir nur:
Scheiße, das tut weh!
Wieso tut das so extrem weh?
Und warum zur Hölle hat mir vorher nie jemand gesagt, dass das überhaupt wehtun kann?

Wenn du dann plötzlich die anderen Mamas in deinem Umfeld fragst, sagen dir auf einmal alle: „Ach, das ist ganz normal am Anfang!“ Und trotzdem hat vorher nie jemand auch nur ein Sterbenswörtchen darüber verloren. Du sitzt da, bist völlig überfordert und weißt einfach nicht, was jetzt zu tun ist. Denn wenn das Stillen so furchtbar schmerzt und dein Baby vielleicht nicht einmal effektiv trinkt, warum solltest du dann überhaupt weitermachen? Lohnt es sich dann überhaupt noch?

Die Antwort lautet ganz klar: JA! Es lohnt sich zu 100 %.

Ich erkläre dir in diesem Beitrag genau warum, und vor allem, wie du diese unfassbar schwierige Zeit am besten überbrückst. Und das kommt von einer Mama, die vor wenigen Monaten selbst den schlimmsten Still-Start überhaupt hinter sich hatte. Es heute aber geschafft hat, voll zu stillen, und es mittlerweile sogar liebt.

Meine Still-Reise

Ich saß in der Still-Ambulanz (ja, sowas gibt es wirklich), während gefühlt zehn Ärztinnen, Hebammen und Krankenschwestern die Köpfe zusammensteckten und sich verzweifelt meine wunden Brustwarzen anschauten.

„So etwas habe ich noch nie gesehen“, sagte eine Hebamme und schüttelte nur mit dem Kopf. Mein Magen zog sich zusammen, als ich das hörte. Mir war natürlich klar, dass ich in keiner guten Situation steckte, aber dass es wirklich so schlimm war, hätte ich niemals gedacht.

Aber noch mal ganz von vorne: Als mein Sohn auf die Welt kam, stand für mich sofort fest, dass ich ihn stillen möchte. Das allererste Anlegen fühlte sich zwar etwas seltsam an, aber echte Schmerzen waren es noch keine. Doch dann, etwa ab dem zweiten Tag, startete mein Baby in eine Clusterfeeding-Phase und da fing meine ganz persönliche Hölle an. Ich hatte unglaubliche Schmerzen bei jedem einzelnen Anlegen und sofort blutige Brustwarzen. Es ist eigentlich eher untypisch, dass das so schnell derart eskaliert. Dennoch wurde ich in genau diesem Zustand aus dem Krankenhaus entlassen. Zu Hause wurde es natürlich nur noch schlimmer.

So landete ich schließlich mit blutigen, entzündeten und eitrigen Brustwarzen im Krankenhaus. Dort wurde mir sofort geraten, mit dem direkten Stillen zu pausieren und stattdessen erst einmal nur abzupumpen. Zu allem Überfluss war meine Milchmenge auch noch viel zu gering, weshalb ich zusätzlich mit Pre-Milch zufüttern musste. Für mich war das in diesem Moment fast noch schlimmer als die körperlichen Schmerzen. Die Schuldgefühle fraßen mich regelrecht auf.

Aber rückblickend war dieser Schritt das absolut Richtige für mich. Denn in dieser Zeit konnte ich mich endlich darauf konzentrieren, dass meine Wunden heilen und ich eine wirkliche Lösung für unser Problem finde.

Und tatsächlich: Heute – fünf Monate später – stille ich voll, komplett schmerzfrei und genieße es so sehr!

Wie genau ich das geschafft habe und was du tun kannst, wenn du gerade im selben Boot sitzt, verrate ich dir jetzt.

Abstrakte, minimalistische Strichzeichnung einer Mutter, die ihr Baby liebevoll im Arm hält und stillt – passend zum Thema Still-Start

1. Schmerzen immer hinterfragen

Der erste und allerwichtigste Schritt lautet: Niemals die Schmerzen einfach nur akzeptieren und stumm aushalten.

Natürlich ist das Stillen ganz am Anfang ungewohnt und unangenehm. Deine Brustwarzen müssen sich erst an dieses völlig neue Gefühl und die Beanspruchung gewöhnen, und das braucht einfach seine Zeit. Aber wenn du tief drinnen merkst: Hier stimmt etwas nicht. Wenn die Schmerzen unerträglich werden, musst du handeln und eine Lösung finden.

Nicht einfach aushalten, aber auch nicht sofort aufgeben! Für jedes Problem gibt es eine Lösung, und beim Stillen ist das genauso. Es fängt nur damit an, dass man sich eingesteht: Okay, es läuft gerade nicht von selbst, ich muss aktiv daran arbeiten, damit es klappt.

2. Such dir professionelle Hilfe

Du musst das unter gar keinen Umständen alleine durchmachen! Such dir am besten sofort eine gute, professionelle Stillberaterin in deiner Nähe.

Ja, meistens muss man diese Beratung leider aus eigener Tasche zahlen, aber vertrau mir: Es lohnt sich und ist jeden einzelnen Cent wert! Eine gute Stillberaterin schaut sich ganz genau an, wie du anlegst, und zeigt dir, wie du es eventuell besser und vor allem schmerzfreier umsetzen kannst. Auch das Saugverhalten deines Babys wird genau untersucht. Vor allem aber wirst du auf diesem schweren Weg begleitet und hast jemanden an deiner Seite, der dir wirklich helfen kann.

Wenn du die finanziellen Mittel für eine Beratung gerade nicht hast, dann scheu dich nicht, deine Familie oder Freunde um Hilfe zu bitten. Vielleicht hast du auch schon eine Nachsorge-Hebamme, die sich mit dem Thema gut auskennt und dir zur Seite stehen kann.

Das Wichtigste, was du dir merken musst: Stillprobleme sind absolut kein Tabu-Thema und darüber muss gesprochen werden. Keine Mama muss da draußen alleine leiden!

3. Die richtige Pflege

Um wunden Brustwarzen vorzubeugen – oder sie zu versorgen, wenn sie leider schon wund sind – ist die richtige Pflege das A und O.

Sehr oft werden Silberhütchen empfohlen, und das kann ich zu 100 % so weitergeben! Ich hatte meine direkt schon mit im Krankenhaus und habe sie von Anfang an verwendet. Ein ganz wichtiger Tipp dazu: Du solltest sie auf keinen Fall durchgehend tragen und musst sie immer extrem gut reinigen, sonst kannst du dir damit im schlimmsten Fall schnell eine bakterielle Infektion einfangen.

Wenn du zu Hause bist: am besten einfach oben ohne rumlaufen und eine ordentliche Menge Nippelcreme schmieren! Lass die Wunden an der frischen Luft ein bisschen atmen. Außerdem schmerzt am Anfang ohnehin jede noch so kleine Berührung mit dem Stoff deiner Kleidung.

Wenn du unterwegs bist (oder Besuch da ist), brauchst du eine schützende Barriere zwischen der Brust und deinem Oberteil. Dafür eignen sich zum Beispiel Milchauffangschalen super. Oder du bastelst dir sogenannte „BrustDonuts“ (zum Beispiel aus alten Socken oder Stilleinlagen und Verband), die du wie einen Ring um die Brustwarze legst. Darüber kannst du dann direkt die Multi-Mam Kompressen legen, die kühlen unfassbar gut!

Zur genauen Produktempfehlung und meiner übersichtlichen Favoriten-Liste kommst du hier.

Zwei Livella Silberhütchen zur Pflege von wunden Brustwarzen beim Stillen, liegend neben einem kleinen weißen Stoffbeutel.

4. Miete dir einen Laser

Bist du vielleicht schon an dem Punkt angekommen, dass du richtig wund bist und dir das allein das Anlegen schon enorm erschwert? Dann greif unbedingt auf ein Laser-Gerät zurück, bevor es noch schlimmer wird!

Ein sogenannter Softlaser (oder Low-Level-Laser) ist eine spezielle Lichttherapie, die extrem gut bei der Wundheilung hilft. Das gebündelte Licht dringt tief in das Gewebe ein, lindert Entzündungen und regt die Zellerneuerung an. Keine Sorge: Das Lasern tut absolut nicht weh und wird auch nicht heiß! Es ist quasi ein kleiner Heilungs-Turbo für kaputte Brustwarzen.

Das Geniale daran ist, dass du dafür nicht jeden Tag unter Schmerzen aus dem Haus zum Arzt oder zur Hebamme rennen musst. Das ist eine Heimtherapie und man borgt sich das Gerät ganz bequem für zu Hause aus. Schau am besten mal auf der Seite von Softlaserverleih vorbei. Dort kannst du dir das Gerät mieten und es steht auch alles ganz genau und super verständlich beschrieben, wie du den Laser bei dir anwendest.

Grafische Darstellung einer Brust, die zur Wundheilung mit einem Softlaser (Low-Level-Laser) behandelt wird, erkennbar an dem roten Lichtpunkt.

5. Ganz wichtig: Das richtige Anlegen

Das richtige Anlegen ist die absolute Basis beim Stillen. Wenn hier etwas nicht passt, entstehen fast alle weiteren Probleme genau daraus. Also, wie gehst du am besten vor?

Mach es dir als Erstes richtig gemütlich, egal ob auf dem Sofa, im Bett oder wo auch immer du dich wohlfühlst. Nimm dir am besten ein Stillkissen dazu.
Nimm ein eher kleines, gut gefülltes und festes Stillkissen. Darauf kann das Baby problemlos und stabil liegen, ohne einzusinken, und bleibt permanent in der perfekten Position.

Mein wichtigster Tipp: Halte oder „platziere“ den Kopf deines Babys immer mit der gegenüberliegenden Hand! Wenn du zum Beispiel an der linken Brust stillst, nimmst du deine rechte Hand, um den Kopf deines Babys zu halten. So hast du viel mehr Kontrolle darüber, wie es andockt.

Das erste Andocken und die ersten paar Züge sind in der Regel am schmerzhaftesten. Was hier extrem gut hilft: Leg dir kurz vor dem Stillen warme Kompressen auf die Brust. Sobald dein Baby richtig saugt, sollte der Schmerz dann deutlich nachlassen und immer weniger weh tun.

Minimalistische Strichzeichnung einer Mutter, die es sich bequem gemacht hat und ihr Baby mit Hilfe eines Stillkissens im Kreuzgriff stillt.

6. Der heimliche Übeltäter: das Zungenbändchen

Wenn all diese Tipps einfach nicht helfen und die Schmerzen mit der Zeit eher schlimmer als besser werden, dann kann es sehr gut sein, dass dein Baby ein zu kurzes Zungenbändchen hat. Genau das war nämlich bei meinem Baby der Fall!

Ein zu kurzes Zungenbändchen hindert dein Baby daran, ein Vakuum aufzubauen und richtig zu saugen. Die Folgen? Dein Baby strengt sich wahnsinnig an, wird aber nicht richtig satt und hat ständig Hunger. Gleichzeitig wird deine Brust nicht effektiv stimuliert, wodurch logischerweise deine Milchproduktion leidet. Und für dich bedeutet dieses ineffektive, falsche Saugen schlichtweg unglaubliche Schmerzen und offene Brustwarzen.

Achtung: Es gibt auch ein sogenanntes „hinteres“ Zungenbändchen. Das ist von außen kaum sichtbar und wird deshalb von vielen Kinderärzten oft gar nicht erkannt. Die meisten zertifizierten Stillberaterinnen sind dafür aber speziell geschult. Alternativ kannst du dir auch direkt einen Termin bei einem Kinderchirurgen buchen, um auf Nummer sicher zu gehen.

Der Eingriff selbst, die sogenannte Frenotomie, dauert wirklich nur ein paar Sekunden und man merkt danach oft direkt beim ersten Anlegen einen Unterschied.

Aber sei nicht frustriert, wenn es nicht sofort perfekt ist
Viel wichtiger als der Eingriff selbst ist die Zeit danach. Du musst die Zunge deines Babys in den folgenden Wochen regelmäßig mit speziellen Übungen richtig „dehnen“ (wie das genau geht, zeigt man dir dort). Dein Baby muss mit dieser völlig neuen Beweglichkeit im Mund erst einmal neu lernen, wie man richtig trinkt. Du wirst also nicht von heute auf morgen zu 100 % schmerzfrei sein. Aber du wirst merken, dass es ab jetzt mit jedem Mal leichter und leichter wird!

Illustration eines geöffneten Babymundes, bei dem ein zu kurzes Zungenbändchen unter der Zunge deutlich sichtbar ist.

7. Hab Geduld, du schaffst das!

Machen wir uns nichts vor: Der Anfang ist hart und nicht so rosarot und blumig, wie man es immer dachte.

Aber wenn du es wirklich aus tiefstem Herzen möchtest, dann schaffst du das! Muttermilch ist einfach das Beste, was du deinem Baby geben kannst, und es lohnt sich, für diesen Weg zu kämpfen.

Der wichtigste Rat, den ich dir aus meiner eigenen Erfahrung mitgeben kann: Such dir früh genug Hilfe und versuche, die allererste, schwere Zeit irgendwie durchzustehen. Ja, manchmal heißt es am Anfang wirklich einfach nur: durchhalten. Doch ich verspreche dir, es wird mit jedem Anlegen leichter.

Irgendwann macht es Klick und der Schmerz ist Geschichte. Du bist stark und du machst das großartig!

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